Welche Kamera ist die Richtige ?
Eine Digitalkamera ist praktisch: Sie nehmen Bilder auf, setzen sich zuhause an Ihren PC, holen den Speicherchip aus der Kamera und schieben die Bilder auf die Festplatte.
Allerdings hat die digitale Fotografie auch ihre Nachteile. Denn auch die besten Aufnahmechips können in der Auflösung noch nicht mit den guten alten Filmen mithalten. Für gute Urlaubsaufnahmen, Produktfotos oder Sportbilder reicht die Digicam aber allemal.
Die Aufnahme
Wie funktioniert sie nun, die Digitalkamera? Zunächst nicht viel anders als ein analoger Fotoapparat: Durch ein Objektiv tritt Licht in das Gehäuse ein und fällt auf ein lichtempfindliches Medium. Während das in der analogen Kamera aus chemischen Verbindungen auf einem Kunststoffstreifen besteht, kümmert sich in der digitalen Kamera ein lichtempfindlicher Chip um die Bilddaten.
Mit dem Chip lässt sich aber einiges mehr anstellen als mit einem Film. Beispiel Lichtempfindlichkeit: Einen Film gibt es immer nur in einer Empfindlichkeit, gemessen in ISO.
Bei einer Digicam dürfen Sie die Lichtempfindlichkeit des Chips frei einstellen. In der Regel haben Sie Spielraum zwischen ISO 100 und 800. Bei Digitalen Spiegelreflex-Kameras (SLR) sind auch mal ISO 3200 drin. Wie beim Film allerdings bringt die höhere Lichtempfindlichkeit Probleme mit sich. Analoge Filme sind stärker gekörnt; auf Abzügen hochempfindlicher Filme zerfällt das Bild in zahllose Krümel. Bei der Digitalkamera steigt die Wahrscheinlichkeit von Artefakten, also ungewollten Lichtpunkten. Besonders bei sehr dunklen Aufnahmen fällt dieses Bildrauschen unangenehm auf. In der Regel kommen übrigens Digitale SLR mit höheren Empfindlichkeiten besser zurecht. Grund dafür ist der größere Chip im Kameragehäuse. Bei kleinen digitalen Kameras rauscht's mehr.
Foto: Nikon
Die Optik
Die Größe der lichtempfindlichen Fläche ist ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen analogen und digitalen Kameras. Ein Kleinbildfilm bietet eine Aufnahmefläche von 36 mal 24 mm. Digitale Kameras haben hingegen weitaus kleinere Chips. Deren Größe unterscheidet sich je nach Hersteller und Bauweise der Kamera.
Die Ausmaße des Chips spielen eine entscheidende Rolle für die Brennweite. Je kleiner die Projektionsfläche, desto größer ist im Verhältnis dazu die Brennweite. Deshalb können die Hersteller ihre Kameras auch in flachere Gehäuse bauen.
Diese flachen Gehäuse machen allerdings den Gewinn an Brennweite wieder zunichte. Relativ gesehen kommen die kleinen Digicams insgesamt also mit einer geringen Brennweite daher.
Das Problem der kleinen Digitalen: Je geringer die Brennweite, desto höher die Schärfentiefe. Für Landschaftsaufnahmen mag das prima sein, wenn alles von vorne bis hinten scharf ist. Wer jedoch zum Beispiel ein Portrait mit schön unscharfem Hintergrund fotografieren will, kommt mit einer ultraflachen Digitalkamera nicht so einfach zum Ziel.
Mehr Flexibilität für solche Zwecke bringen die Zoom- oder Superzoom-Kameras wie die Sony Cybershot DSC F828, die es für rund 750 Euro gibt (Stand August 2005). Deren eingebautes Objektiv hat eine Brennweite von umgerechnet 28 bis 200 mm und liefert ein 7,1faches Zoom. Damit sind sowohl Makro-Aufnahmen aus nächster Nähe möglich wie auch die Aufnahme weiter entfernter Objekte. Zoom-Freunde kommen mit der Nikon 8800 noch ein weniger weiter. Bei Brennweiten von 35 bis 350 mm reicht es für ein 10fach-Zoom. Kostenpunkt: Rund 800 Euro.
Damit niemand durcheinander kommt, geben die meisten Digicam-Hersteller übrigens die Brennweite der eingebauten Objektive umgerechnet auf das Kleinbildformat an. Das erleichtert den Vergleich zwischen den Apparaten.
Perfekt, wenn auch teurer sind die digitalen Spiegelreflexkameras. Dank der Wechselobjektive können Sie die für Ihren Einsatzzweck optimalen Brennweiten finden. Allerdings hat dieser Luxus seinen Preis. Ab rund 800 Euro aufwärts gibt es die Spiegelreflex-Kameras - nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Nachteil: jedes Objektiv kostet extra.
Problem bei Digitalkamera: Einschalt- und Auslöseverzögerung
Schwachpunkt vieler Digitalkameras sind Einschaltzeit und Auslöseverzögerung. Wer es bei seinem analogen Fotoapparat gewohnt war, einfach einzuschalten und auf den Auslöser zu klicken, muss sich, gerade bei kompakten Digicams, umgewöhnen. Nach dem Einschalten fährt erst einmal das Objektiv aus, dann dauert es einen Augenblick, bis die Software klar ist - und wenn es "Ping" macht, ist die Kamera so weit.
Wer auf den Auslöser drückt, muss dann noch ein paar Zehntel warten, bis die Kamera wirklich auslöst. Denn der Autofokus will scharf gestellt sein, die Belichtung wird gemessen und erst dann kann es losgehen. Einzige Abhilfe: Die Kamera immer eingeschaltet haben und möglichst schon das Zielobjekt fokussieren, bevor es losgeht. Aus dem schnellen Schnappschuss wird so nichts.
Die Hersteller arbeiten allerdings intensiv an diesem Problem. In der kompakten Mittelklasse um die 500 Euro sind inzwischen erträgliche Einschaltzeiten von etwa einer Sekunde üblich, die Auslöseverzögerung mit Autofokus liegt bei drei bis sechs Zehntelsekunden. Noch vor einem Jahr mussten die Fotografen in der gleichen Preisklasse mit drei bis vier Sekunden Einschaltzeit und einer Auslöseverzögerung von rund einer Sekunde leben. Das trübt den Spaß bei Schnappschüssen gewaltig. Tipp: Falls Sie vorhaben, sich eine gebrauchte Digitalkamera anzuschaffen, informieren Sie sich zuerst über die Verzögerungswerte.
Wer mehrere Bilder schnell hintereinander schießen will, achtet auf die Bildfolgezeit. Das ist die Zeit nach dem ersten Bild, bis die Kamera wieder bereit ist. Üblich in der 500-Euro-Klasse sind eine bis zwei Sekunden. Nützlich für Action-Fotos ist eine Serienbild-Funktion. Damit lichten die Kameras je nach Ausstattung pro Sekunde ein bis zwei Bilder ab - nach neun Fotos ist in der Regel aber schon Schluss. Dann ist Speichern angesagt.
Besonders in den Homeshopping-Sendern hört man es immer wieder: Mehr Megapixel sind toll. Damit machen es sich die Anbieter aber zu einfach. In der Regel reichen nämlich drei Megapixel, um ein Bild im DIN-A-4-Format auszudrucken. Wer Sicherheitsreserven nach oben haben will, greift zu fünf Megapixel. Das reicht auch für ein kleines Poster in A3.
Mehr ist zwar ganz nett, aber nicht zwingend notwendig.
Und Achtung: Megapixel ist nicht gleich Megapixel. Manche Kameras interpolieren nämlich Bildpunkte. Das bedeutet: Der Prozessor in der Kamera rechnet Bildpunkte hinzu und bläst so künstlich das Bild auf. Aber Interpolation ist immer ein Ratespiel für die Software und führt nur selten zu zufrieden stellenden Ergebnissen. Achten Sie deshalb immer darauf, dass die Megapixel-Angabe ohne das Stichwort "interpoliert" daherkommt.
Ähnlich unsinnig ist das Werben mit dem digitalen Zoom. Da protzen die Anbieter mit einem 8fach-Zoom und vermerken irgendwo ganz klein, dass es nur ein zweifaches optisches Zoom gibt. Das digitale Zoom macht nichts weiter, als einen Ausschnitt aus dem Bild herauszurechnen und zu speichern. Sprich: Die Menge der Bildinformation wird geringer, die Qualität sinkt. Wenn Sie schon solche Ausschnitte herstellen möchten, verwenden Sie eine Bildbearbeitung.
Viele Digicams sind wahre Funktionsmonster. Sie haben einen Videorecorder und nehmen auch noch ein Diktat auf. Das können die alten, analogen Modelle nicht. Wozu auch. Eine Kamera ist eine Kamera. Lassen Sie sich beim Kauf der Kamera nicht von solchem Schnickschnack blenden. In erster Linie muss das Gerät gute Bilder machen.
Nützliche Features
Sehr nützlich ist der Bildschirm auf der Rückseite der Kamera. Wer von der analogen Kamera umsteigt, wird diesen Bildschirm gleich lieben lernen. Der kleine Monitor hilft bei der Entscheidung, ob eine Aufnahme gelungen ist oder nicht. Denn Sie können gleich nach der Aufnahme ein Bild begutachten.
Viele Modelle zeigen auf Wunsch auch ein Histogramm an - ein guter Hinweis darauf, ob das Motiv gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Allerdings sollten Sie sich in Sachen Schärfe nicht auf die kleinen Schirme verlassen. Durch die Verkleinerung wirken die Objekte wesentlich schärfer, als sie tatsächlich sind.
Noch besser wird es, wenn dieser Monitor ausklappbar und schwenkbar ist. Dann nämlich können Sie die Kamera zum Beispiel über den Kopf halten, den Monitor nach unten drehen und haben so volle Kontrolle über eine Aufnahme aus toller Perspektive.
Weiteres wichtiges Merkmal ist der Weißabgleich. Denn nicht immer erkennt die Digicam automatisch, mit welchem Licht sie es zu tun hat. Verschiede Lichtquellen haben verschiedene Farben. Das menschliche Gehirn gleicht diese Unterschiede aus. Bei der Kamera muss der Weißabgleich diese Aufgabe übernehmen. Falls der sich vertut, bekommen zum Beispiel Aufnahmen bei Neonlicht einen Grünstich, von Glühbirnen erhellte Objekte gehen ins Gelbliche. Falls zum Beispiel mehrere, unterschiedliche Lichtquellen den Raum beleuchten ist es gut, wenn man den Weißabgleich der Kamera von Hand einstellen kann. Dazu brauchen Sie nur ein weißes Blatt Papier, das sie mit der Kamera ablichten. Damit teilen Sie dem Apparat mit "Das ist weiß" und die Kamera kann sich danach richten.
Digitalkamera: Darauf sollten Sie beim Kauf achten
Bevor Sie eine Digitalkamera kaufen, probieren Sie die Kamera unbedingt aus. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:
- Ist die Kamera schnell genug einsatzbereit?
- Funktioniert der Autofokus flott genug?
- Kann man den Autofokus abstellen, und stattdessen manuell fixieren?
- Wie viele Bilder kann die Serienbildfunktion bei bester Auflösung schießen und wie viele Bilder schafft sie pro Sekunde?
- Welche Programme stehen zur Verfügung? Minimum sind Programme für Landschaftsfotos, Nahaufnahmen sowie eine Blenden und Zeitautomatik.
- Können Sie alle Automatikprogramme ausschalten und die Kamera komplett von Hand steuern?
Lassen Sie sich von einem Verkäufer nicht einreden, man bräuchte dieses oder jenes Feature ohnehin nicht. Denn wenn die Kamera erst einmal gekauft ist und Sie ein Foto nicht nach Ihren Wünschen gestalten können, weil der Kamera genau ein Feature fehlt, sind Ärger und Frust groß. Verzichten Sie lieber auf Video- und Audiofunktionen, wenn Sie dafür mehr Kameraspaß bekommen.
Genügend Speicherplatz auf der mitgelieferten Chipkarte sollte die Kamera ebenfalls haben. 256 MByte sind Minimum. Schauen Sie sich nach Kombiangeboten um. Oft gibt es zu den Kameras größere Speicherkarten als die sonst mitgelieferten 32 MByte.
Falls Sie überlegen, eine größere Kamera zu kaufen, stellen Sie sicher, dass sie über eine Anschlussmöglichkeit für externe Blitzgeräte verfügt. Informieren Sie sich auch über passende Blitze und die dafür anfallenden Kosten. Ist der Blitz eingebaut, achten Sie darauf, dass er möglichst weit vom Objektiv entfernt ist - je weiter, desto geringer fällt der gefürchtete Rote-Augen-Effekt aus. Denn der tritt dann auf, wenn die Netzhaut des Auges direkt einstrahlendes Blitzlicht zurückwirft.